Rezension zu "Alles so leicht" von Meg Haston

30. August 2015


Format: gebunden
Seitenanzahl: 320
Wertung: 5 Blumen
Verlag: thienemann


"Ich will, dass du sauer wirst, wenn du sauer werden sollst, und traurig, wenn du traurig werden musst. Ich will, dass du gesund wirst, Stevie."




Stevie hat nichts mehr zu verlieren. Sie ist fest entschlossen, aus diesem Körper, aus diesem Leben zu verschwinden. Wenn sich der Todestag ihres Bruders Josh zum ersten Mal jährt, soll es auch sie nicht mehr geben, in genau 27 Tagen will sie verschwinden. Aber alle wollen sie daran hindern. Ihr Vater, der sie ins Therapiezentrum einweisen ließ. Anna, die so ganz anders ist als die anderen Seelenklempner. Und selbst den Mädchen, mit denen sie ein Zimmer und ein Schicksal teilt, fühlt sich Stevie jeden Tag näher. Aber sie wird sich nicht öffnen, sie hat schließlich einen Plan. Ehrlich bis zur Schmerzgrenze, mitfühlend und hoffnungsvoll erzählt.

Auch wenn der Titel noch so federleicht klingt, ist das Buch das genaue Gegenteil. Keine leichte Kost. Ehrlich, mitfühlend und berührend, mit ein vielen schönen Stellen für Zitate und anderen, die einen mit Wucht treffen.Hier steckt nicht nur die Geschichte eines magersüchtigen Mädchen dahinter. Sondern die, einer Kämpferin, die erst herausfinden muss, ob sie wirklich für das Richtige kämpft.

Das Gedächtnis glaubt, ehe sich das Wissen erinnert.

Obwohl die Geschichte erfunden ist, wirkt sie so real. Größtenteils liegt das wahrscheinlich an den autobiografischen Zügen von Meg Haston. Und gerade das macht das Buch auch so toll. Hier wird nichts geschönt, nichts unnötig ausgeschmückt.
Auch wenn der Schreibstil recht flüssig zu lesen ist, so ist es doch die Geschichte, die immer wieder zum Nachdenken anregt und einen nicht loslässt, so dass man das Buch kurz zumachen oder aus den Händen legen muss.Die Gefühle werden authentisch dargestellt. Es wird aus Stevies Sicht geschrieben und so fühlt man mit Stevie mit, trauert mit ihr, aber vor allem hofft man. Mit und für sie.

"Doch ich hoffe, ich hoffe so sehr, dass du der Therapie eine Chance gibst."

Ich hoffe, man ruft sie an, sobald mein Verschwinden entdeckt wird.Ich hoffe, sie fühlt sich dann machtlos. Ich hoffe sie weiß, dass es ihre Schuld ist.


Stevie vermittelt vom ersten Augenblick an den Eindruck einer starken Persönlichkeit. Das beginnt schon bei ihrer Vorstellung im Therapiezentrum.

"Stevie. Ich werde Stevie genannt." Meine Stimme ist rau. Schwach, obwohl ich plötzlich stinksauer bin. Wieso hat Dad ihnen nicht gesagt, wie ich genannt werden will? Stevie. Niemals Stephanie. Ich bin keine Stephanie.

Doch auch bei ihr zeigt sich immer wieder ihre verletzliche Seite. Denn sie ist nur ein Teenager, jedoch immer darauf bedacht, den Menschen in ihrer Umgebung nicht zu viel Platz und die Luft zum Atmen zunehmen.

Aber besser gar nichts sagen als das Falsche.

Wenn ich nicht leben kann, dann muss ich sterben.


Auch die Therapeutin Anna war mir sofort sympatisch. Sie betrachtet ihr Patienten nicht als Objekte. Sie gesteht Fehler ein und zwingt Stevie zu nichts.

Ich meine damit, dass ich meine eigenen Probleme habe, wie alle Menschen. Aber ich fühle mich geehrt, anderen Menschen zur Seite zu stehen, wenn sie lernen, wie sie mit ihrem eigenen Päckchen fertigwerden können. Vielleicht finden sie heraus, dass die Tragegurte neu eingestellt werden müssen oder dass sie ein paar Gepäckstücke ablegen müssen, die sie nicht mehr brauchen.



Das Buch ist voller Gefühl und hat mich sehr berührt. Viele Zitate und schöne Stellen, aber auch genügend Stoff zum Nachdenken.Ich habe schon einige Bücher zu diesem Thema gelesen und es zählt für mich zu einem der besten.




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