Sibirien ~ Felix Mitterer {Rezension}

13. Januar 2019

Gedankenverloren
Format: Taschenbuch
Wertung: 3 Blumen
Autor: Felix Mitterer
Verlag: Haymon


„Ich bin ein Mensch!
Bitte, das zu beachten!“




Sibirien

Die Anklage eines alten Mannes, den seine Familie ins Altersheim abgeschoben hat: Zwischen den quälenden Erinnerungen an seine Kriegsgefangenschaft in Sibirien und den Träumen von einer anderen Zukunft verbringt er seinen tristen Alltag in der Kälte des Heimes – entmündigt, gedemütigt und eingeschlossen. Das beklemmende und ergreifende Porträt eines Mannes, der einsam seinem Tod entgegenwartet – und ein packendes Plädoyer für das Recht auf Menschlichkeit und Würde.

Meine Meinung

Für mich war es etwas völlig Neues, solch einen Monolog zu lesen. Mich hat es überrascht, dass man durch das Gesagte einer einzelnen Person, so viel von deren Umgebung und anderen Personen mitbekommt. Trotzdem kommt mir der Protagonist dadurch sehr allein vor, obwohl er mit anderen Personen redet. 

Bei der Hauptperson handelt es sich um einen Choleriker, der sehr überzeugt von seiner Meinung ist. Trotzdem erschien es mir so, als würde ihm seine Familie viel bedeuten. Immer wieder versucht er zurück in den „Familienbund“ zu kommen. Er glaubt er sei ausgeschlossen worden, doch ich bin der Meinung, dass er immer noch ein Teil davon ist. Nur weil man nicht zusammen in einem Haus wohnt, heißt das nicht, dass man keine Familie mehr ist.

Das Buch ist vom Schreibstil her sehr einfach zu lesen. Durch die vielen Wiederholungen haben die Wörter viel mehr Wirkung und man merkt sie sich. In den Worten liegt viel Ehrlichkeit und beim Lesen dachte ich immer, dass obwohl Körper des Protagonisten altert, sein Geist immer noch relativ jung ist. 

"Es ist unser Geheimnis.
Geheimnisse verbinden."

Das Buch ist für mich eine gelungene Aufzeigung, wie es in Altersheimen sein kann. Jedoch werden die wenigsten von uns wirklich einen gesamten Eindruck davon bekommen können, bevor wir nicht selbst in einem sind. Nur als Besucher bekommt man nicht alles mit.

In Altersheimen herrscht oft eine gedrückte Stimmung. Nicht weil das Personal diese Stimmung ausstrahlt, sondern weil man mit einem Altersheim nicht direkt Spaß verbindet. Viel mehr heißt es, Abschied zu nehmen und geliebte Menschen zu verlieren. Wie man mit dieser Situation umgeht, bestimmt die Stimmung, sowohl vom „Patienten“ als auch von den Angehörigen. Auch für die Pfleger dürfte es nicht leicht sein, in so einem Umfeld zu arbeiten. So erleben sie doch tagtäglich den Tod eines Menschen und die Trauer der Angehörigen.

Viele denken, dass es besser ist, zu Hause zu sterben. Trotzdem muss man beachten, dass dies auch für die Familienmitglieder nicht einfach ist. Immerhin muss die Person gepflegt werden und das erfordert viel Zeit. Stirbt der Betreffende dann, kann es auch sein, dass sich die Angehörigen Vorwürfe machen, es sei ihre Schuld.
Gibt es denn überhaupt ein gut oder besser? Denn ob ein Mensch nun im Altersheim stirbt oder zu Hause, er geht.

Fazit

Die Story finde ich an sich sehr gut und auch die behandelten Themen findet man nicht so oft in anderen Büchern, das macht dieses Buch einzigartig. Man kann das Buch durchaus als Warnung  an die Gesellschaft auffassen und als Appell an die Menschlichkeit. Leider war die Stimmung in diesem Buch einfach zu gedrückt, weshalb es von mir nur 3 Blumen gibt.





"Es ist wohl nur Gleichgültigkeit.
Gleichgültigkeit.
Das schlimmste aller Gefühle.
Nein, kein Gefühl.
Der absolute Mangel an Gefühl.
Gefühlskälte.
Kälte.
Tausendmal kälter
als die klirrende Kälte Sibiriens."



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