Rezension: Letztendlich sind wir dem Universum egal ~ David Levithan

16. November 2015


Format: Hardcover
Seitenanzahl: 400
Wertung: 4,5 Blumen
Verlag: Fischer

Jeden Tag bin ich jemand anders.
 Ich bin ich - so viel weiß ich - und zugleich jemand anders. 
Das war schon immer so. (S. 7)


Jeden Morgen wacht A in einem anderen Körper auf, in einem anderen Leben. Nie weiß er vorher, wer er heute ist. A hat sich an dieses Leben gewöhnt und er hat Regeln aufgestellt: Lass dich niemals zu sehr darauf ein. Falle nicht auf. Hinterlasse keine Spuren. Doch dann verliebt A sich unsterblich in Rhiannon. Mit ihr will er sein Leben verbringen, für sie ist er bereit, alles zu riskieren – aber kann sie jemanden lieben, dessen Schicksal es ist, jeden Tag ein anderer zu sein? Wie wäre das, nur man selbst zu sein, ohne einem bestimmten Geschlecht oder einer bestimmten Familie anzugehören, ohne sich an irgendetwas orientieren zu können? Und wäre es möglich, sich in einen Menschen zu verlieben, der jeden Tag ein anderer ist? Könnte man tatsächlich jemanden lieben, der körperlich so gestaltlos, in seinem Innersten aber zugleich so beständig ist?


Wir alle wollen, dass immer alles okay ist. Wir streben gar nicht so sehr nach phantastisch oder grandios oder hervorragend. Wir geben uns gerne mit okay zufrieden, weil in den meisten Fällen ist okay völlig ausreichend. (S. 14)

Die spezielle Note erhält das Buch durch David Levithans Schreibstil. Er beschreibt die Gefühle von Menschen, egal welchen Körper sie haben, oder welches Geschlecht. Einfach von Mensch zu Mensch.

Sich in jemanden zu verlieben, heißt nicht, damit genauer zu wissen, was de andere empfindet. Man weiß nur, was man selbst empfindet. ( S. 124)

Die Charaktere sind authentisch und auch die Menschen, deren Leben A für einen Tag lang lebt, bleiben nicht blass.

Sie ist nicht einfach bloß nett, denke ich. Sie ist wirklich herzensgut. Was ein viel entscheidenderer Charakterzug ist als bloße Nettigkeit. Herzensgüte zeigt, wer du bist. Nettigkeit, wie du wahrgenommen werden willst. (S. 75)

Bisher hat A nur sich. Seine Erlebnisse schreibt er in sein E-Mail-Konto. So weiß er, dass er existiert. Niemand weiß von ihm und er versucht die Leben der anderen so zu belassen, wie sie waren. Doch dann trifft er Rhiannon und will ihr alles erzählen. Doch wird sein Leben ein Geheimnis bleiben?

Kein Leben ist real, wenn niemand um seine Realität weiß. Und ich will, dass mein Leben real wird. (S. 117)

Vom Ende hätte ich mir etwas anderes erwartet. Doch wäre es nicht so wie es ist, wäre es vielleicht wie andere Bücher. Die Idee hätte noch mehr Potenzial gehabt und wurde nicht ganz ausgeschöpft.

Ich wollte, dass die Liebe alles überwindet. Doch das kann sie nicht. Sie kann nichts aus sich heraus tun. Es liegt an uns, in ihrem Namen alles zu überwinden. (S. 348)


Eine schöne Geschichte mit viel Gefühl und wunderschönen Zitaten. Trotzdem hat mir etwas gefehlt.

4,5 Blumen

Wenn man ins Universum starrt, ist sein Mittelpunkt nur Kälte. Und Leere. Letztendlich sind wir dem Universum egal. Dem Universum und der Zeit.
Deswegen dürfen wir einander nicht egal sein. (s 392)




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